Die Weltgruppe Stade lud zu diesem informativen Abend ins Kulturforum nach Buxtehude ein und zeigte zum Einstieg die 30-minütige Dokumentation „Bittere Orangen“ von Elke Sasse. Dieser Film zeigt das ganze Ausmaß der Ausbeutung auf süditalienischen Plantagen und lässt betroffene Bau-
ern, Erntehelfer und die Engagierten der Initiative „SOS Rosarno“ zu Wort kommen.
Im Anschluss an den Film kamen die rund 40 Besucher:innen mit dem Ethnologen Prof. Dr. Gilles Reckinger ins Gespräch, der als Referent zu diesem Abend eingeladen war.
Herr Reckinger ist Autor des Buches „Bittere Orangen“. Seine Forschungsschwerpunkte sind u. a. die europäischen Prekarisierungs-Prozesse und die Migration. Er erfforscht die Lebens- und Arbeitsbedingungen der migrantischen Erntearbeiter in Europa und eben auch in Rosarno, der Region, aus der unsere ökologisch angebauten und fairen Früchte stammen, die die Weltgruppe Stade seit
2022 verkauft.
Herr Reckinger ließ die Zuhörer:innen teilhaben an seiner über 10-jährigen Forschungsarbeit in den prekären Brennpunkten der europäischen Landwirtschaft, an der Entwicklung hin zu den aktuellen Zuständen, den erbärmlichen Zeltstätten, am Tagelöhnerdasein ohne jegliche Absicherung und den Rassismuserfahrungen der Erntehelfer.
Er machte aber auch deutlich, mit welcher Zuversicht die Migranten trotz allem diese Zustände ertragen und wie solidarisch sie diese Lebenssituation meistern – mit der Hoffnung auf ein lebenswerteres Leben, vor allem für ihre Familien in der Heimat.
Die Anstrengungen der in Kalabrien aktiven Initiativen wie SOS Rosarno zeigen, dass eine Orangen-Produktion ohne Ausbeutung von Kleinbauern und Erntehelfern möglich ist. Das ist ein kleiner Lichtschein – aber es ist ein Lichtschein. Die Einhaltung des europäischen Arbeitsrechtes mit den für uns selbstverständlichen Absicherungen ist auch gegenüber den migrantischen Erntehelfern möglich. Die Gesetze sind da, sie müssen nur eingehalten und kontrolliert werden.
Die europäische Politik schaut über diese Zustände hinweg – trotz der Rechtslage. Aber jeder und jede Einzelne kann die Augenoffen halten, wie er oder sie konsumiert. Um diesen Abend abzurunden, waren auch Aktive von „Unites4Rescue“, „Buxtehude im Wandel“, vom Loseladen „Tante Trude“ und vom Weltladens Buxtehude vor Ort, um über ihre Arbeit zu informieren. Man kam ins Gespräch und es wurde intensiv genetzwerkt.
Freundliche Unterstützung für diese Veranstaltung erhielten wir durch den Kirchlichen Entwicklungsdienst (KED) Niedersachen.
Für die Weltgruppe Stade, 18.11.2024
Susanne Decker-Michalek und Marina Vollmann









